Es begann mit einem Anruf vom Jäger – „ich habe ein Wildschwein, brauchst du das Fell“ – ähh, ja. Schwebt mir ja schon seit Längerem mal vor, eine Wildschweintrommel zu bauen, so ganz vom Anfang mit frischer Felllieferung. Nun isses soweit. Ich werde mich der Aufgabe stellen, ahnungslos und jungfräulich. Ich fahre sie abholen und schon beim Anblick dieses wunderschönen Fells fühl ich mich berührt und verbunden mit diesem Tier. Auch Luna ist sichtlich interessiert an unserer neuen Hausgenossin.

Zu Beginn sei die Ehre und der Dank

Meine Reise zur Trommel beginnt mit einer Zeremonie und dem Dank an die Tierseele, mit der ich nun arbeiten und von der ich nun lernen darf. Während der ganz privaten Zeremonie sehe ich ihren Geist deutlich dabei. Schnell wird klar, das sich unsere Aufgabe um die Erdarbeit drehen wird. Während des Bauprozesses verzichte ich aus Wertschätzung für ihr Opfer selbst auf Fleisch. Die Namensfindung war sehr emotional tiefgehend. „Amariel“ darf und möchte sie heißen, „Tochter der Erde“.

Ran an den Speck – Anatomiestudien

Die Schwarte wird gewaschen und ausgebreitet. Erstmal sämtliche Küchenmesser ein-Sau-en. Welches taugt am besten? Als nächstes geht es an die Anatomiestudien. Wann hat man schonmal ein Wildschweinfell so direkt vor der Nase. Wo hört Schwarte auf, wo fängt die Lederhaut an? Ich probiere und schabe vorsichtig am Rand.

Schaben, schaben, schaben…

Eine Zeitlang arbeite ich mit ersten zaghaften Versuchen. Ja, hab Angst die Lederhaut zu beschädigen. Es dauert ein bisschen, bis das Handling vertrauter und sicherer wird.

Aber dann bringt mir meine Freundin und Trommelbauerin >>Ina-RoaringLion ein großes Stück Rohr als Gerbstock. Die Beziehung zu Amariel wird nun sicherer, intimer und großflächiger. Wir arbeiten auf Du und Du mit viel Power und die gesamte Fläche ist nun schnell zumindest grob bearbeitet. Während der ganzen Zeit ist die Seele des Tieres spürbar präsent. Eine sehr schöne, bereichernde Erfahrung für mich.

Nach dieser Aktion wird erstmal der Muskelkater gepflegt.

Zuschnitt und Feinarbeit

Nach dem groben Entfernen des Specks schneide ich nun die Form zu. Danach geht es weiter mit viel Geduld an die verbliebenen Schwartenreste, damit beim Trocknungsprozess möglichst wenig gammelt. Das Fell von ihr ist unglaublich schön.

Badetag

Nach dem Schaben ist erstmal ne Runde baden dran. Sie wird geweicht, gewaschen und geschrubbelt um noch restliche Speckfetzen abzurubbeln. Nun ist sie bereit für den Rahmen.

Rahmen bearbeiten

In der Zwischenzeit werden die Rahmenkanten abgeraspelt, geschliffen und der Rahmen eingelassen

Der große Tag

Nu isser da, der große Tag, nach einer Woche Fell bearbeiten. Zusammen mit Ina mach ich mich an die Arbeit. Zeremonie, Reinigung. Dann lochen, spannen, das Haus zambrüllen. Ina kämpft tapfer mit mir. Ina baut parallel da zu eine Rehtrommel. Möglicherweise kennen sich die beiden… 🙂 Für die Schlagfläche wird ein Stück enthaart, später wird das dann noch verfeinert.

Ein paar Stunden, Muskelkater und wunde Finger später isses soweit. Das Fell spannt aufm Rahmen. Mehr geht nimmer ohne das die Löcher reißen. Aber ich weiß, es ist noch nicht zu Ende.

Aber nun gibts erstmal eine kleine Etappen-Zeremonie am Feuer und danach ein Bier. Am nächsten Tag wird dir Schnürung nochmal stablilisiert durch Djembenspannung. Nun kehrt Ruhezeit ein bis zum neuen Jahr. Sie kommt auf den Dachboden, dort ist es trocken und kühl… Das heißt mehrere Wochen warten und dem Trocknungsprozess vertrauensvoll seinen Lauf lassen….

Meine treue Begleiterin ist etwas ganz Besonderes. Herzensgut und dennoch wild und direkt.

Die Arbeit hat sich für mich mehr als gelohnt, sollte ich nochmal die Gelegenheit bekommen – jederzeit wieder.